Mr. May // Film // Synopsis

»Die Unbedachten«

In Deutschland herrscht Bestattungspflicht, die gesetzlichen Regelungen dazu sind Ländersache. Die Bestattung mittellos Verstorbener ohne Angehörige obliegt den Ordnungsämtern der Kommunen. Neben den ordnungsamtlichen Bestattungen bei solchen Sterbefällen – ein stetig wachsendes Großstadtphänomen – gibt es seit 2004 eine rasant steigende Zahl von „Sozialbestattungen“, bei denen die bestattungspflichtigen Angehörigen nicht über die finanziellen Mittel für eine Beisetzung verfügen. Die Zahl dieser Fälle ist seit 2004 um zwei Drittel gestiegen, was neben dem demografischen Wandel wesentlich mit der Streichung des sogenannten „Sterbegelds“ aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen unter der Regierung Schröder zu tun hat.

Die Durchführung von Amtsbestattungen werden von den Kommunen ausgeschrieben, der günstigste Anbieter bekommt in der Regel den Zuschlag. 2011 gaben die Sozialämter dafür fast 58 Millionen Euro aus. Auch wenn sich die Ländergesetze im Detail unterscheiden, müssen bei einer Beisetzung in der Regel die Wünsche der Verstorbenen „im ortsüblichen Rahmen“ befolgt werden. Bei der Auslegung dieser Verordnung bestehen allerdings große Unterschiede, ebenso wie bei der finanziellen Beteiligung. Erdbestattungen bei Amtsbeisetzungen sind nur noch in wenigen Kommunen erlaubt, das namenlose Urnengrab ist die Regel. Steuert Heilbronn bis zu 3.000 Euro bei, sind es in Berlin nur noch 750 Euro. Die Gestaltung der Beisetzung fällt ebenso unterschiedlich aus: Viele Ordnungsämter und ihre Mitarbeiter bestehen auf einer kleinen Trauerzeremonie und Blumenschmuck, während andernorts Vertreter von Kirchen und Bestatter-Innung eine kalte „Entsorgungsmentalität“ beklagen. Im Bezirk Berlin-Neukölln dauert die Ordnungsamtsbestattung nach Presseberichten gerade einmal eine Minute pro Urne.

Eine Vielzahl von Initiativen engagiert sich seit Jahren für die würdevolle Beisetzung einsam Verstorbener. In Köln besteht seit 1997 eine Interessensgemeinschaft zur Bestattung obdachloser Menschen, seit 2006 gibt es einen monatlichen ökumenischen „Gedenkgottesdienst für die Unbedachten“, 2008 wurde die anonyme Bestattungspraxis auf Initiative u.a. von Bestatterverband und Kirchen abgeschafft. Vergleichbare Initiativen existieren z.B. in Hamburg, Berlin, Detmold und Göttingen. In Saarbrücken meldeten sich auf eine Zeitungsanzeige einer Bestattungsfirma sofort ehrenamtliche Trauergäste, in Osnabrück haben sich evangelische und katholische Kirchengemeinden mit dem Humanistischen Verband zur Organisation einer monatlichen Trauerfeier zusammengetan, zu der regelmäßig bis zu 80 Trauergäste kommen. Darunter finden sich – eine Erfahrung auch der anderen Initiativen – regelmäßig auch Freunde oder wenigstens Bekannte der Verstorbenen, die durch die meist von der Lokalpresse gesponsorten Traueranzeigen auf den Todesfall aufmerksam wurden.

KinofinderKinoweckerTrailerTrailer OmUSynopsisPressestimmenProduktionsnotizenInterviewFilmografienDownloads Artwork & TexteDownloads Bilder HomeKontakt & ImpressumPiffl-Newsletter • Pressebetreuung: www.hoehnepresse.de • Verleih: www.piffl-medien.de • Mr. May oder das Flüstern der Ewigkeit. Ein Film von Uberto Pasolini.